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Wie ein Neudenauer Biker zum Deutschen Meister wurde

Motorsport  Aus einer Bierlaune zum deutschen Meister: Für Matthias Geißler aus Neudenau ist der Titel im Langstrecken-Cup nicht nur eine sportliche Leistung.

Von Dominik Knobloch

Für den ganz normalen Motorradfahrer ist es langsam an der Zeit, die Maschine winterfest zu machen. Gründlich reinigen, warten, Batterie ausbauen, ab an einen geeigneten Stellplatz und dann auf das Wiedersehen im Frühling freuen. Der Neudenauer Matthias Geißler ist aber längst kein ganz normaler Motorradfahrer mehr.

Er wird die Winterzeit nutzen, um die BMW-Rennmaschine seines Rodgauer LWR-Endurance Racing Teams nun sehr, sehr häufig zu sehen. "Wir sind voll am Ball und haben sogar vor, noch ein komplett identisches, zweites Motorrad aufzubauen - zum Training und als Ersatzteilträger", sagt der 39-Jährige.

Das Drumherum ist Geißlers Bereich

Technik ist Matthias Geißlers Welt. Beruflich bei Bayer Maschinenbau in Gochsen. Privat am BMW-Bike seiner Rennmannschaft. Um den Motor kümmert sich Teamkollege Marco Klohoker. Das Drumherum ist Geißlers Bereich: "Alles, was nicht serienmäßig ist, habe ich in Eigenregie mit ein, zwei Kumpels auskonstruiert, gefräst, gedreht und optimiert."

Doch gemeinsam mit Klohoker arbeitet Matthias Geißler nicht nur an der Maschine ausdauernd, sondern auch darauf. Das Duo sicherte sich mit drei weiteren Fahrern beim deutschen Langstrecken-Cup (DLC) erstmals den Gewinn der deutschen Meisterschaft. "Geld haben wir damit nicht verdient. Es ist ein ambitioniertes Hobby mit viel Ehrgeiz", sagt Geißler. Statt einer Siegprämie haben die Gewinner sich zumindest die Erstattung der Lizenzkosten für die nächste Saison eingefahren.

Es geht um Leidenschaft

Geld ist aber ohnehin nicht der Antrieb. Es geht um Leidenschaft. Deshalb denkt das Team auch über einen Versuch bei der Langstrecken-WM nach, den es sich mit dem DLC-Titel verdient hat. "Wir haben einen Fahrer, der ist mehrfacher deutscher Meister. Ich wäre da fahrerisch am Grenzbereich", gesteht Matthias Geißler. Bedeuten würde es ihm dennoch viel. "Das Leben in der Box, das Technische in der Box. Alles, was nicht direkt mit dem Fahren zu tun hat, interessiert mich auch immer mehr."

Seit seinem 18. Lebensjahr sitzt er bereist auf dem Motorrad - "schon immer gerne sportlich schnell". So gerne, dass für ihn 2006 der Sprung auf die Rennstrecke her musste. Durch Bekannte kam er damals zu "diversen Renntrainings im In- und Ausland, von Hockenheim bis in die Tschechei". Am Ostersamstag 2010 wurde aus dem Hobby dann ambitionierteres Racing: "Da war ich das erste Mal mit einem Kumpel zusammen bei einem 1000-Kilometer-Rennen in Hockenheim am Start. Die haben wir zusammen mit einem Motorrad abgespult. Das war der Vorreiter des deutschen Langstrecken-Cups." Der Reiz packt Matthias Geißler direkt: "Es kommt nicht unbedingt auf die allerletzten Zehntel an. Die Technik und das Team muss funktionieren."

Der Gründungsname war Lewwerworscht-Team

Auf einer Rennstrecke in Spanien entstand 2015 abends aus einer Bierlaune heraus Geißlers heutige Erfolgsequipe. "Da fiel der Entschluss, als ganzjähriges, festes Team in der Langstrecken-Serie an den Start zu gehen." Zum DLC-Titel, der fünf Jahre später folgen soll, passte der Gründungsname "Lewwerworscht-Race" in spaßiger Anlehnung an die Kollegen aus dem Frankfurter Raum nicht recht. Schon auf der Suche nach ernsthafter Unterstützung durch Sponsoren wich er 2017 der Abkürzung LWR Racing-Team.

Ein Jahr später fiel der Entschluss, "ab 2019 in die richtige Endurance-Klasse zu gehen. Das heißt, alle drei Fahrer abwechselnd auf einem Motorrad mit großem 24-Liter-Tank." Zuvor hatte jeder seine eigene Maschine. "Der Reiz daran ist, dass das eine Motorrad perfekt vorbereitet sein muss. Es wird immer auf den bestmöglichen Kompromiss ausgelegt und nie ein hundert Prozent perfektes Motorrad für jeden sein." Alles andere als normal.


Quelle: www.stimme.de 20.11.2020